Forschungszulage neben VC-Funding
Wie Joy_ öffentliche F&E-Förderung und Risikokapital gleichzeitig nutzt
Joy_· E-Commerce / KI
Forschungszulage neben Seed-Funding und Höhle der Löwen 🦁
Joy_ hat nicht nur Risikokapital und einen TV-Deal eingesammelt, sondern gleichzeitig Forschungszulage für die Entwicklung ihrer KI-basierten E-Commerce-Infrastruktur gesichert. Wie öffentliche F&E-Förderung und privates Wachstumskapital zusammenpassen.
Inhalt
Titus Hüsken und Franz Koller standen mit Joy_ im Herbst 2025 im Rampenlicht der deutschen Startup-Szene: TV-Deal, Seed-Runde, Gutscheinkarten in tausenden Filialen. Gleichzeitig werden die Entwicklungskosten über die steuerliche Forschungszulage gehebelt.
Auf einen Blick
Seed-Runde (1,25 Mio €), Höhle-der-Löwen-Deal, Produkt im Handel und parallel intensive F&E an der KI-Infrastruktur.
Die förderfähige Forschung im Vorhaben identifiziert und BSFZ-konform beschrieben.
BSFZ-Bescheid gesichert: 35 % der F&E-Personalkosten zurück, zusätzlich zum VC.
Was Joy_ entwickelt
Joy_ hat ein einfaches Problem gelöst, das die meisten als unvermeidlich hinnehmen: Gutscheine landen ungenutzt in Schubladen, weil die beschenkte Person in dem einen vorausgewählten Shop nichts findet, was sie wirklich will.
Die Lösung von Titus Hüsken und Franz Koller: ein universeller Gutschein, der fast überall funktioniert, ohne vorher Integration mit tausenden Shops zu benötigen. Dahinter steckt KI-Infrastruktur, die den Kauf vollautomatisch abwickelt: Produkt finden, besten Anbieter ermitteln, Checkout abschließen, Lieferung veranlassen. Alles in Sekunden, bei jedem Online-Shop, auch ohne API-Anbindung.
Das technische Vorhaben
Ein Modell analysiert Produktdaten aus tausenden Quellen und erkennt Kaufabsichten.
Suchtechnologie, die Anfragen präzise in konkrete Produktempfehlungen übersetzt, quer über alle Shops hinweg.
Vollautomatischer Checkout-Prozess bei jedem Online-Shop. Ohne API-Anbindung, ohne manuelle Integration.
Das Besondere: Die Neuartigkeit liegt in der erstmaligen Kombination semantischer KI-Analyse mit vollintegrierter, automatisierter Prozesssteuerung im E-Commerce. Ein durchgängiger Prozess von der Absichtserkennung bis zur Haustür.
Die Ausgangslage: Wachstum auf zwei Gleisen
Ende 2025 war Joy_ im Zentrum der deutschen Startup-Szene. Janna Ensthaler gewann das Bieterduell bei Höhle der Löwen, nach einem Showdown, bei dem mehrere Löwen gleichzeitig investieren wollten. Kurz danach folgte die Seed-Runde über 1,25 Millionen Euro mit IBB Ventures, Swiss Founders Fund und weiteren Business Angels.
Gleichzeitig rollte das Produkt bereits im Handel aus: Gutscheinkarten von Joy_ lagen in über 2.000 MediaMarkt- und Saturn-Filialen, physisch, im Regal.
Titus, Franz und das Team hatten zu diesem Zeitpunkt bereits seit Monaten intensiv an dem entwickelt, was das eigentliche Fundament hinter dem Produkt ist: der KI-Infrastruktur, die jeden Kauf ohne direkte Shop-Integration ermöglicht. Eine technisch nicht triviale Aufgabe mit echten Forschungsfragen, die vorher niemand gelöst hatte.
Forschungszulage und VC-Funding: ein Widerspruch?
Eine Frage, die wir in diesem Zusammenhang oft hören: Lohnt sich die Forschungszulage überhaupt noch, wenn bereits VC-Kapital vorhanden ist?
Die Antwort ist eindeutig: ja. Und gerade für Startups in der Aufbauphase, die aktiv F&E betreiben.
Wichtig zu verstehen
Die Forschungszulage bewertet das Vorhaben, nicht den Kontostand.
Wie ein Unternehmen finanziert ist, spielt für die Förderfähigkeit keine Rolle. Entscheidend ist, ob die Entwicklungsarbeit echte wissenschaftlich-technische Wissenslücken schließt und ob die anfallenden Personalkosten dokumentiert werden. Für Joy_ war beides der Fall.
Die Forschungszulage kommt nicht statt Venture Capital. Sie kommt zusätzlich. Als steuerliche Gutschrift auf förderfähige Personalkosten, ohne Rückzahlungspflicht, ohne Beteiligung. Jeder Euro, den das Entwicklerteam in die KI-Infrastruktur investiert, kann retroaktiv geltend gemacht werden, soweit die BSFZ das Vorhaben als förderfähige F&E anerkennt.
Und das gilt nicht nur neben Venture Capital: Genauso lässt sich die Forschungszulage mit Bankkrediten, Eigenkapital oder anderen Fördermitteln kombinieren. Sie bewertet das Vorhaben, nicht die Finanzierungsform, ob Startup oder etablierter Mittelständler.
Was wir gemacht haben
Unsere Arbeit bei Joy_ startete mit einer technischen Einschätzung: Was genau ist an diesem Vorhaben Forschung im fördertechnischen Sinne? Was war zum Entwicklungszeitpunkt nicht aus dem Stand der Technik ableitbar?
Für Joy_ waren das konkret drei Forschungsfelder:
1. KI-gestützte Produktsuche über tausende Quellen
Die Forschungsfrage: Wie verarbeitet ein Modell zuverlässig Produktdaten aus tausenden Quellen in Echtzeit, bei widersprüchlichen Einträgen und unstrukturierten Formaten?
Das ist keine Konfigurationsaufgabe, sondern ein aktives Forschungsproblem.
2. Das shopübergreifende Transaktionsmodell
Die Forschungsfrage: Wie wickelt man Käufe autonom ab, bei Shops mit völlig unterschiedlichen Checkout-Flows, Lieferregeln und Bestandsfeeds, ganz ohne standardisierte Schnittstellen?
Franz bringt es auf den Punkt: „Hundreds of shops we’ve never integrated with. Different checkouts. Different shipping rules.” Das skalierbar zum Laufen zu bringen, war die eigentliche Herausforderung.
3. Die Kombinationsleistung
Die Forschungsfrage: Wie integriert man Absichtserkennung und vollautomatische Transaktionsabwicklung erstmals in einem einzigen durchgängigen Prozess?
Genau diesen Kern haben wir gegenüber der BSFZ klar herausgearbeitet.
Unser Prozess
Direkte Gespräche mit den Gründern und dem Entwicklungsteam, nicht nur auf Geschäftsführungsebene
Herausarbeiten, was zum Entwicklungszeitpunkt wirklich nicht bekannt war
Übersetzung in fördertechnisch belastbare Sprache
Vollständige Übernahme des Prozesses bis zum Bescheid
Das Ergebnis: Forschungszulage zusätzlich zum VC
Der BSFZ-Bescheid kam. Förderfähige Personalkosten aus der Entwicklungsarbeit werden seitdem systematisch dokumentiert und jährlich eingereicht. Kein einmaliger Kraftakt, sondern ein verlässlicher Baustein neben dem Venture Capital.
Was das konkret bedeutet: VC-Kapital für Wachstum und Marktaufbau. Forschungszulage für die F&E-Arbeit dahinter. Ohne Verwässerung.

„Viele Gründer denken beim Thema Startup-Finanzierung nicht zuerst an Forschungsförderung. Wir anfangs auch nicht. Aber Lucas hat uns gezeigt, dass das nicht nur parallel funktioniert, sondern sogar Sinn ergibt: Das eine ist Kapital mit Verwässerung, das andere ist unser F&E-Budget ohne Gegenleistung.”
Titus Hüsken, Co-Founder, Joy_

„Die eigentliche Herausforderung war, den Kern unserer Forschung sprachlich zu fassen. Wir wissen, was technisch schwierig war, aber das in BSFZ-Sprache zu übersetzen, ohne dabei die echten Innovationsmomente zu verwässern, das ist Handwerk. Das hat Impossible Grants übernommen.”
Franz Koller, Co-Founder, Joy_
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